Schon Ende letzten Jahres wurde der Instant Messenger Snapchat von Adweek zur „Hottest Digital Brand of the Year“ gekürt und Hot war das Thema auch auf der diesjährigen re:publica in Berlin. So heiß, das Journalisten, Marketeers, PR-Profis und Blogger sich in Halle 6 quetschten um sich von einem 15 jährigen Schüler die App für die Einweg-Botschaften erklären zu lassen, den Blick auf Features gerichtet, bei denen man Gesichter verzerren oder austauschen kann.

Mehr als 130 Millionen Menschen weltweit nutzen täglich Snapchat, damit avanciert es zu den beliebtesten Social-Media-Apps und hat mittlerweile sogar Facebook überholt. Vielen gibt die App noch Rätsel auf. So scherzte Blogger Star Sascha Lobo auf der Internetkonferenz re:publica 2016, die Digitalen Avantgardisten erkenne man daran, dass “wir noch viel früher als alle anderen Snapchat nicht verstanden haben”. Der Wunsch, den Hype endlich zu begreifen ist groß. Das zeigte sich Stunden zuvor: Zu “Snapchat für Erwachsene”, bei der der Schüler Joshua Arntzen die App erklärte, strömten um die 500 Besucher.

Spielerei für Teenies oder zukunftsweisendes Storytelling

“Du kannst die verrücktesten Dinge in deinen Snaps – also Fotos und Videos – machen und keinen interessiert es”, kommentierte der 15-Jährige per Videoschalte auf der Konferenz. mit Blick auf Features, bei denen man Gesichter verzerren oder austauschen kann. Schließlich werde alles wieder gelöscht. Dass die Daten vielleicht nicht endgültig verschwinden, sondern irgendwo gespeichert würden, beunruhigt den Teenager keineswegs. Da sei er Realist, der nun mal im 21. Jahrhundert lebe. Ein späterer Arbeitgeber könne darauf dann sicher nicht zugreifen. Sind es Kurzlebigkeit oder ich schalte mal gerade mein Gehirn aus, die Snapchat auszeichnen? Seit Jahren erzählen die Großen den Kleinen sie sollen sich verantwortungsvoll im Web 2.0 verhalten und jetzt tun sie genau das. Gelästert wird nur noch in WhatsApp- oder Facebook- Gruppen. Instagram-Konten werden privat geschaltet, kompromittierende Selfies und Partyfotos werden auf Snapchat versendet, wo sie nach wenigen Sekunden wieder gelöscht sind sind – sieht man mal von der Möglichkeit Screenshots zu machen einmal ab. Problem ist jetzt nur, dass die Großen nicht mehr mitbekommen, was die Teenager da machen, und wie man denn dort werben soll. Es ist ein Kommunikationskanal, der nicht so einfach von purer Werbung gekapert werden kann.

Snapchat App

Dennoch ob Medien, Politiker oder Wirtschaft, sie alle verfolgen den Hype. Starbucks, Zalando aber auch CNN oder der FC Bayern, sie haben ihren Auftritt auf Snapchat. Hillary Clinton punktete kürzlich mit einer Snapchat-Story über Donald Trump. Und die ersten Analytic Tools wie Snaplytics geben Rat beim Optimieren von eigenen Marketing-Aktivitäten. In vier Monaten feiert die App ihren fünften Geburtstag, und der Börsengang ist sogar in Planung und zahlreiche neue Features in der Mache. So zum Beispiel der bei Promis beliebte Bereich Stories: Der hier veröffentliche Content bleibt dann 24 Stunden sichtbar. Fazit: Wir meinen gut für einmalige, zeitlich begrenzte Angebote und der Aufbau von Beziehungen funktioniert durch die Fotos und Videos super.